Wissen von A bis Z

Krankheitsbilder

Hormonerkrankungen
Hier stellen wir die wichtigsten und häufigsten Krankheitsbilder der Endokrinologie zusammen.


A

Adipositas
Unter Adipositas versteht man die krankhafte Fettleibigkeit, beginnend ab einem Body Mass Index größer 30. Adipositas ist häufig assoziierten mit Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Verschleißerscheinungen des Bewegungsapparates, psychischen Erkrankungen wie Depression, erhöhtem Risiko für bösartige Tumore. Im Fettgewebe werden Hormon- und Botenstoffe gebildet, weshalb Adipositas oft auch zu einem Ungleichgewicht von weiblichen bzw. männlichen Hormonen mit entsprechenden Beschwerden bei Frauen und Männern führen kann. Aufgabe des Endokrinologen ist zudem, mögliche hormonellen Ursachen der Fettleibigkeit zu untersuchen.

Adrenogenitales Syndrom (AGS)
AGS ist eine angeborene Erkrankung mit Cortisonmangelerscheinung (vgl. Nebennierenrindeninsuffizienz). Durch einen (meist vererbten) Enzymmangel kann die Nebenniere nicht ausreichend körpereigenes Cortison und teilweise Mineralokortikoide bilden. Cortison ist ein lebenswichtiges Stresshormon und reguliert u.a. den Blutzuckerhaushalt, Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt trägt zur Funktion des Stresshormons Adrenalin bei.
Durch den Enzymdefekt werden im Körper vermehrt Vorstufen des Cortisons angesammelt, die in männliche Hormone (Androgene) umgewandelt werden.
AGS-Patienten müssen je nach Ausprägung des Enlzymdefekts ggfs. dauerhaft Cortison. ersetzen.

Akromegalie
Krankheitsbild, dessen Ursache in einem Überschuss an Wachstumshormon liegt. Meistens wird das Wachstumshormon in einem gutartigen Adenom der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse; Makro- oder Mikroadenom) produziert. Typischerweise leiden die Erkrankten unter einem Größenwachstum von Händen oder Füßen (Ringe passen nicht mehr, Schuhe zu klein) oder auch des Kopfumfanges bzw. des Unterkiefers, vor Abschluss des Längenwachstums auch übermäßiges Größenwachstum (Gigantismus). Häufige Begleiterscheinungen sind z.B. erhöhter Blutdruck, Blutzucker- bzw. Fettstoffwechselstörungen, vergrößerte Schilddrüse, Carpaltunnel-Syndrom, Gelenkbeschwerden, Schlafapnoe, Schweißneigung, Darmpolypen bzw. Darmkrebs, Osteoporose.

Autonomes Adenom
(s. Schilddrüsenüberfunktion)


B

Bluthochdruck (hormonell bedingt)
Erhöhter Blutdruck, insbesondere wenn er mit Medikamenten nur schwer einzustellen ist, kann Folge von Hormonerkrankungen sein: Schilddrüsenüberfunktion, übermäßige Produktion von Stresshormonen der Nebenniere (Phäochromozytom), vermehrte Produktion von Hormonen, die den Wasser- und Elektrolythaushalt steuern (Conn-Syndrom) oder ein Zuviel an körpereigenem Kortison (Hypercortisolismus, Cushing-Syndrom).


C

Conn-Syndrom
Syn: primärer Hyperaldosteronismus. Durch übermäßige Bildung des Hormon Aldosteron in der Nebenniere (z.B. einseitiges Adenom einer Nebenniere oder beidseitige Vergrößerung (Hyperplasie) der Nebennieren) entwickelt sich typischerweise ein Bluthochdruck, oftmals auch ein Mangel an Kalium. Betroffene haben darüber hinaus ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose, Blutzuckerstoffwechselstörung und Herzrhythmusstörungen.

Cushing-Syndrom
Krankheitsbild, dessen Ursache in einem Überschuss an körpereigenem Hormon Cortison liegt. Betroffene leiden typischerweise unter Gewichtszunahme, insbesondere mit vermehrter Fetteinlagerung am Körperstamm, rundlichem Gesicht und verstärktem Nacken („Stiernacken“), Hautveränderungen (typ. rote Dehnungsstreifen, Hautunreinheiten, Neigung zu Abszessen), Bluthochdruck, erhöhtem Blutzucker, Fettstoffwechselstörung, depressiven Verstimmungen. Bei Frauen sind zudem Störungen des Menstruationszyklus und vermehrte männliche Körperbehaarung möglich. Die vermehrte Bildung von Cortison kann von der Hirnanhangsdrüse (Hypophysenadenom), der Nebenniere (Nebennierenadenom) oder seltener „ektop“ d.h. z.B. von einem bösartigen Tumor ausgehen.


D

Diabetes mellitus
Im Volksmund auch Zuckerkrankheit genannt, als Typ 2 Diabetes häufig mit Übergewicht und anderen metabolischen Problemen wie zu hohen Fettwerten und hohem Blutdruck assoziiert. Meist ist zumindest zu Beginn der Erkrankung eine medikamentöse Therapie neben Lebensstilveränderung ausreichend.
Als Typ 1 Diabetes wesentlich seltener und durch einen Insulinmangel gekennzeichnet, der mit Insulinspritzen behandelt werden muss.


E

Endokrine Orbitopathie
Eine Mitbeteiligung der Augen bei autoimmunbedingten Schilddrüsenerkrankungen, meist im Rahmen einer Basedowhyperthyreose bei der die Augen hervortreten.


G

Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)
Ein Zuckerstoffwechselstörung, die in der Schwangerschaft auftritt.

Gynäkomastie
Vergrößerung der Brustdrüse (einseitig oder beidseitig) beim Mann. Mögliche Ursachen sind z.B.: hormonell bedingt (z.B. Prolaktinom, Überschuss von weiblichen Hormonen, Mangel von männlichen Hormonen), Nebenwirkung von Medikamenten, Lebererkrankungen, Tumore. Zu unterscheiden ist eine während der Pubertät bei männlichen Jugendlichen auftretende, meist spontan rückbildende Pubertätsgynäkomastie oder eine „Pseudo“-gynäkomastie durch Fetteinlagerung.


H

Hashimoto
Hashimoto-Thyreoiditis (Synonyme: Struma lymphomatosa Hashimoto, lymphozytäre Thyreoiditis und Ord-Thyreoiditis) ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt. Bei dieser Erkrankung wird Schilddrüsengewebe infolge eines fehlgeleiteten Immunprozesses durch T-Lymphozyten zerstört. Darüber hinaus ist eine Antikörperbildung gegen schilddrüsenspezifische Antigene nachweisbar. Die Krankheit wurde nach dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto (1881–1934) benannt, der sie 1912 als Erster beschrieb. Der Charakter als Autoimmunerkrankung wurde durch Deborah Doniach und Ivan Roitt erkannt. (Quelle: Wikipedia)

Hypophysenadenom
Ein Hypophysenadenom ist ein in der Regel gutartiger „Knoten“ in der Hirnanhangsdrüse. Wichtig zu unterscheiden ist:

  • ob dieser Knoten Hormone produziert oder nicht und
  • ob er so groß ist, dass er einerseits raumfordernde Wirkung hat und auf benachbarte Strukturen Druck ausübt wie z.B. die Bahn des Sehnervs bzw. andererseits die Hormonproduktion in der Hirnanhangsdrüse dadurch blockiert (d.h. sich dadurch eine Hypophyseninsuffizienz (s.u.) entwickelt).

Hypophyseninsuffizienz
Darunter versteht man einen Mangel an Hormonen, die in der Hirnanhangsdrüse produziert werden. Dies sind wichtige Hormone, die z.B. die Bildung von körpereigenem Kortison, einem lebenswichtigem Stresshormon und die Bildung von lebenswichtigem Schilddrüsenhormon steuert. Im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse werden Wachstumshormon sowie die Steuerungshormone der Geschlechtshormone und das Hormon Prolaktin gebildet. Im Hypophysenhinterlappen wird ADH (Hormon, welches Wasser- und Salzgehalt des Körpers regelt) gebildet. Ein Mangel dieser teils lebenswichtigen Hormone muss unbedingt durch Medikamente ausgeglichen werden (siehe auch Nebennierenrindeninsuffizienz). Häufigste Ursachen einer Hypophyseninsuffizienz sind Operationen, Adenome/Tumore, Entzündungen, Durchblutungsstörungen.


K

Kinderwunsch
Unerfüllt durch hormonelle Ursachen (z.B. PCO Syndrom, Prolaktinom, Schilddrüsenfunktionsstörung, Eierstockschwäche, selten auch Adrenogenitales Syndrom).


M

MEN 1 und MEN 2 (multiple endokrine Neoplasie)
Eine erbliche bedingte Erkrankung bei der typ. bösartige Veränderungen an mehreren hormonbildenden Drüsen auftreten können.

Morbus Basedow
Eine autoimmunbedingte Schilddrüsenüberfunktion, die in der Regel medikamentös behandelt werden kann, bei schwereren bzw. wiederkehrenden Verläufen kann auch eine operative Entfernung der Schilddrüsen oder eine Radiojodtherapie notwendig werden.


N

Nebenschilddrüsenüberfunktion
Wird als Hyperparathyreoidismus bezeichnet und hat einen erhöhten Kalziumspiegel zu Folge. Da das Kalzium auch aus den Knochen mobilisiert wird kann sich bei längerer Krankheitsdauer eine Osteoporose entwickeln. Auch Magenbeschwerden und Nierenprobleme sowie psychische Probleme können auftreten. In der Regel ist eine operative Entfernung der überaktiven Nebenschilddrüse notwendig.

Nebenschilddrüsenunterfunktion
Beim sogenannten Hypoparathyreoidismus wird zu wenig Parathormon produziert, als Folge tritt ein niedriger Kalziumspiegel auf, der Beschwerden wie Kribbelgefühl und ein verkrampfen einzelner Muskeln verursachen kann. Meist tritt dieses Problem nach Entfernung der Schilddrüse auf (wenn dabei die Nebenschilddrüsen verletzt werden), es gibt aber auch ohne äußere Einflüsse auftretende Unterfunktion der Nebenschilddrüse.

Nebenniereninsuffizienz
Synonym: M. Addison (Erstbeschreiber der Erkrankung: Londoner Arzt Thomas Addison [1793-1860]). Durch Zerstörung der Nebennierenrinde kommt es zu einem Mangel von lebenswichtigen Hormonen, insbesondere dem körpereigenen Stresshormon Cortison und Mineralokortikoiden. Die Folge ist (je nach Ausprägung der Erkrankung) eine u.U. lebensbedrohliche Nebennierenkrise, die sofortigen Ersatz von Cortison (durch Tablette, Injektion) erfordert.

Patienten, die an einer Nebennierenrindeninsuffizien leiden, müssen dauerhaft Cortison und ggf. auch Fludrocortison durch Medikamente ersetzen und lernen, dies an die Stress- bzw. Belastungssituationen des Alltags in der Dosis anzupassen. Häufigste Ursachen der Nebenniereninsuffizienz sind Autoimmunerkrankungen, seltener Tumore, Operationen, Infektionen.


O

Osteoporose
Minderung der Knochendichte mit erhöhtem Frakturrisiko. Neben einer erblich bedingten Veranlagung können mehrere Faktoren eine Osteoporose begünstigen: Nikotinkonsum, längerdauernde Therapie mit Cortison, wenig Bewegung, Östrogenmangel (bei Frauen) bzw. Testosteronmangel (bei Männern). Als Basismaßnahmen sollte auf eine kalziumreiche Ernährung und eine ausreichende Vitamin D Versorgung sowie ausreichend Bewegung unbedingt geachtet werden. Es stehen auch verschiedene Medikamente zur Osteoporosebehandlung zur Verfügung.

Osteopenie
Minderung der Knochendichte (weniger ausgeprägt als bei Osteoporose).


P

PCO-Syndrom
Polyzystisches Ovarsyndrom, das keine Krankheit sondern das Zusammentreffen mehrerer Symptome beschreibt, wie eine Neigung zu Überschuss an männlichen Hormonen (sichtbar z.B. an unreiner Haut, vermehrter Behaarung), Neigung zu Übergewicht (häufig assoziiert mit Insulinresistenz), Zyklusstörungen (seltene oder auch ausbleibende Periode). Neben Lebensstilmaßnahmen (ausreichend Bewegung, gesunde ballaststoffreiche Kost ohne schnell resorbierbare Kohlenhydrate), gibt es die Möglichkeit das PCO Syndrom mit einem altbewährten Diabetesmedikament (Metformin) unterstützend zu behandeln. Die Behandlung erfolgt außerhalb der Zulassung des Medikamentes (off label) und die Kosten müssen dafür selbst getragen werden.

Phäochromozytom
Sehr seltene Erkrankung, die durch einen tumorbedingten Überschuss an Stresshormonen (Katecholamine) zu Herzrasen und hohem Blutdruck, sowie vermehrtem Schwitzen führen kann.

Prolaktinom
Häufigste Ursache eines Hypophysenadenoms (Hirnanhangdrüse) mit vermehrter Produktion von Prolaktin (Stillhormon). Typischerweise ist durch den Überschuss an Prolaktin die geschlechtshormonproduzierende Achse der Hypophyse gestört, so dass das Krankheitsbild meist durch Zyklusstörungen bei Frauen im gebärfähigen Alter, bei Männern durch Zeichen eines Testosteronmangels auffällig wird. Bei größeren Befunden (Makroprolaktinom) kann auch das Gesichtsfeld eingeschränkt sein und es kann zu Milchausfluss aus der Brust kommen. Ein Prolaktinom kann in der Regel gut medikamentös therapiert werden.


S

Schilddrüsenknoten
Sehr häufiges Krankheitsbild, in der Regel ein harmloser Befund. Im Alter von 50 Jahren können bei 30 Prozent der Bevölkerung Schilddrüsenknoten nachgewiesen werden.

Schilddrüsenkrebs
In seltenen Fällen können Schilddrüsenknoten bösartig verändert sein. Bei sonographisch auffälligen Knoten sollte eine weitere Abklärung erfolgen und eine Operation angestrebt werden. Meist ist nach operativer Entfernung eine Radiojodtherapie zu empfehlen. Die lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormon wird nach Entfernung der Schilddrüse notwendig. Die Lebenserwartung ist im Großteil der Fälle nicht eingeschränkt.

Schilddrüsenvergrößerung (Struma)
Häufige Erkrankung der Schilddrüse vor allem in Jodmangelgebieten. Bei großer Struma mit Beschwerden am Hals oder verdächtigen Knoten sollte eine Operation angestrebt werden, in seltenen Fällen auch eine Radiojodtherapie möglich.

Schilddrüsenüberfunktion
Bei einer Überfunktion der Schilddrüse wird zu viel Schilddrüsenhormon produziert. Ursachen einer Überfunktion kann eine autoimmunbedingte Überfunktion (z.B. Morbus Basedow, selten auch bei Hashimotothyreoiditis) oder durch eine Autonomie der Schilddrüse bedingt sein. Es kann ein einzelner Knoten autonom Schilddrüsenhormon produzieren oder auch als disseminierte Autonomie mehrere Bereiche der Schilddrüse. Autonom heißt, dass der Knoten bzw. die Schilddrüsenareale unabhängig von der Steuerung der Hypophyse (zu viel) Schilddrüsenhormon produzieren. Dies tritt z.B. nach Jodbelastung auf (wie nach Gabe von jodhaltigem Kontrastmittel).
Symptome einer Überfunktion sind vermehrtes Schwitzen, Unruhe, erhöhter Puls und Gewichtsabnahme.

Schilddrüsenunterfunktion
Meist autoimmunbedingte verminderte Produktion von Schilddrüsenhormon (s. auch Hashimoto-Thyreoiditis), auch aber auch z.B. nach (Teil-)Entfernung der Schilddrüse.


T

Testosteronmangel
Klinische Symptome können eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit, verminderter Bartwuchs verminderte Libido, verminderte Erektionsfähigkeit und Müdigkeit sein.

Thyreoiditis de Quervain
Akute schmerzhafte Entzündung der Schilddrüse, meist nach einem viralen Infekt der oberen Luftwege. Typisch ist ein Druckschmerz im Bereich der Schilddrüse, es kann ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber hinzukommen. Häufig bestehen in der akuten Phase auch Schilddrüsenfunktionsstörungen, die sich aber oft wieder geben. Bei leichteren Verläufen wird mit antientzündlichen Medikamenten wie Diclofenac oder Ibuprofen behandelt, oft ist eine vorübergehende Therapie mit eine Cortisonpräparat notwendig. Dadurch kann in der Regel sehr schnell eine Linderung der Beschwerden erreicht werden.


W

Wechseljahresbeschwerden
Multiple Beschwerden die im Rahmen der Wechseljahre auftreten können, wie vasomotorische Beschwerden (vermehrtes Hitzegefühl und Schwitzen), sowie auch Unruhe und Herzklopfen. Oft kann mit pflanzlichen Mitteln eine Linderung der Beschwerden herbeigeführt werden. In ausgeprägten Fällen können mit einer Hormonersatztherapie für einen begrenzten Zeitraum die Beschwerden gut behandelt werden.